Hackintosh? Klingt cool, aber auch irgendwie illegal…

Dieser Artikel ist der 1. Teil der büronerds Hackintosh-Serie. Die komplette Serie findest du in unserem Hackintosh-Ratgeber.

Hackintosh? Klingt cool, aber auch irgendwie illegal...

Für Techies klingt es fast zu schön um wahr zu sein: Endlich die Hardware völlig frei zusammenstellen, RAM in rauen Mengen. Eine große SSD und eine leistungsfähige Grafikkarte. All diese leistungsstarken Komponenten treiben die neueste Version von OSX an und wenn ich mal was spielen will, boote ich einfach Windows 10. Alles an einem Gerät. Herzlich Willkommen in der Welt der Hackintoshs 😉

Apple steht für Style, Performance und perfekte Usability. Leider aber auch für Preise, die dann doch oft nicht im Verhältnis zu der gebotenen Leistung stehen. Wer trotz begrenztem Budget aber nicht auf die Stabilität und Benutzerfreundlichkeit eines Macs verzichten will, muss tief in die technische Trickkiste greifen. OSX lässt sich nämlich mit ein bisschen Vorbereitung und Planung auf vielen Windows-PC-Plattformen installieren. Wie das geht, was ihr dürft und was nicht, erklären wir euch in Teil 1 unserer Hackintosh-Serie.

Was genau ist überhaupt ein Hackintosh?

Ein Hackintosh ist eine feine Sache. Ihr genießt die Vorzüge und Features des neuesten Apple-Betriebssystems. Ihr könnt die Hardware (fast) nach belieben zusammenstellen und spart am Ende sogar noch Geld. Und obendrein ist es auch nicht illegal, sich seinen persönlichen Hackintosh zusammenzuschrauben. Wahrscheinlich zumindest, denn wie immer, wenn es um juristische Fragen geht, ist die Antwort nicht ganz so einfach…

Doch bevor wir die Frage klären, ob ihr „das überhaupt dürft“, klären wir die Frage „was das überhaupt ist“. Als Hackintosh bezeichnet man grundsätzlich jedes PC-System, auf dem eine Version des Apple-Betriebssystems (aktuell OSX „El Capitan“, 10.11.5) installiert ist. Ganz generell kann man sagen, dass die Hardware, die in Windows-PCs verbaut wird auch kompatibel zu OSX ist. Apple greift bei seinen Geräten nämlich auf die selben Hersteller zurück, die auch die Komponenten für Windows-PCs herstellen: Gigabyte liefert die Motherboards, Nvidia die Grafikkarten, Intel die Prozessoren und so weiter…

Die Hauptunterschiede zwischen PCs und Macs liegen also vielmehr im Design und vor allem im Betriebssystem. Während auf PCs vor allem Windows 10 oder diverse Linux-Distributionen laufen, setzt Apple auch bei der Software auf einen Sonderweg mit eigenem OS. Das heißt aber im Umkehrschluss: Im Kern sind sich Macs und PCs wesentlich ähnlicher, als man auf den ersten Blick denkt. „Anatomisch“ betrachtet sind PC und Mac quasi Geschwister und auch „chemisch“ betrachtet immerhin noch Cousins.

Die rechtlichen Grundlagen: Darf ich OSX auch unabhängig von einem Apple-Gerät nutzen?

Auch wenn die Verwandtschaft insgesamt nur entfernt besteht: PC-Hardware und Apple-Software vertragen sich in vielen Kombinationen ausgezeichnet. Im Begriff „Hackintosh“ schwingt aber nicht nur die Frage nach der technischen Machbarkeit mit. Irgendwie klingt das ganze Unterfangen auch ein bisschen illegal. Tatsächlich betretet ihr mit der Installation von OSX auf einem PC-System eine rechtliche Grauzone.

Was sagt Apple zum Thema Hackintosh?

Die erste Frage muss natürlich lauten, was Apple selbst über die Nutzung seiner Software zu sagen hat. Ein Blick in die EULA (End-User-License-Agreement) von OSX hilft da schnell weiter. Darin heißt es u.a.:
The Apple software (including Boot ROM code), any third party software, documentation, interfaces, content, fonts and any data accompanying this License whether preinstalled on Apple-branded hardware, on disk, in read only memory, on any other media or in any other form (collectively the “Apple Software”) are licensed, not sold, to you by Apple Inc. (“Apple”) for use only under the terms of this License. Apple and/or Apple’s licensors retain ownership of the Apple Software itself and reserve all rights not expressly granted to you.
Apple erteilt euch also lediglich die Lizenz zur Nutzung von OSX, das Betriebssystem geht aber nicht in euren Besitz über. Es bleibt Eigentum des Lizenzgebers, der nach dieser Logik auch bestimmen darf, was mit der Lizenz abgedeckt ist und was nicht. Apple verkauft euch demnach OSX nicht. Apple erteilt euch die Lizenz zur Nutzung der Software. Das ist ein kleiner aber feiner Unterschied (zumindest für Juristen). In der EULA von OSX sind diese Lizenz- bzw. Nutzungsbedingungen klar geregelt:
The grants set forth in this License do not permit you to, and you agree not to, install, use or run the Apple Software on any non-Apple-branded computery, or to enable others to do so.

Apple verbietet also ganz eindeutig die Nutzung seiner Software auf nicht-Apple Computern – Hackintosh ade! Das ist natürlich sehr schade, klingt aber logisch. Ihr dürft OSX also nicht auf eurem Wunsch-PC installieren. Im Folgenden lest ihr deshalb, wo ihr die süßesten Katzenbaby-Videos im WWW findet. War nur Spaß, ganz so eindeutig ist dieser Sachverhalt zum Glück doch nicht. Jetzt wird es nämlich kompliziert, denn auch deutsches bzw. europäisches Recht spielen hier eine Rolle.

Wie ist die Rechtslage in Deutschland?

Generell ist eine EULA also eine Lizenzvereinbarung, die die Nutzung der betreffenden Software regelt. Apple räumt euch mit seiner OSX-EULA lediglich Nutzungsrechte ein. Die Software geht aber nicht in euren Besitz über, selbst wenn (und das solltet ihr in jedem Fall tun) ihr OSX im Apple-Store gekauft habt. Ginge es nach Apple, besitzt ihr die Software also gar nicht. Daraus folgt wiederum: Ihr dürft damit auch nicht machen was ihr wollt oder könnt!Das wäre aber in etwa so, als würdet ihr ein Auto „kaufen“ und der Hersteller sagt anschließend: „Sorry, aber das Auto gehört Ihnen gar nicht! Ihr besitzt lediglich die Nutzungsrechte. Übrigens, Sie dürfen mit dem Auto nicht nach Holland fahren – und bitte hängen Sie das Wunderbäumchen sofort ab!“ Klingt komisch? Das deutsche Recht bzw. die deutschen Gerichte sehen das zum Glück genauso. Und deswegen ist das der Punkt, warum aktuell die Apple-Eula in Deutschland in vielen Punkten keine Gültigkeit besitzt.

Was sagt das bürgerliche Gesetzbuch?

Laut BGB und EuGH bedeutet die „Überlassung von Software auf Dauer und gegen Entgelt einen Kaufvertrag“ und bei einem solchen geht das Eigentum einer Sache vom Verkäufer (Apple) auf den Käufer (dich) über. Juristisch betrachtet seid ihr also nicht der Lizenznehmer von OSX, sondern der Käufer und ihr könnt mit dem Macintosh-Betriebssystem tun und lassen was ihr wollt (sehr überspitzt und verkürzt formuliert). Jedenfalls kann euch Apple nicht verbieten, OSX auf einem „non-Apple-branded computer“ zu installieren und zu nutzen (die Katzenbabys müssen warten).So gibt es auch keinen einzigen Fall, in dem Apple eine Privatperson wegen eines EULA-Verstoßes in den hier beschriebenen Punkten vor einem deutschen Gericht verklagt hat. Apple weiß, dass sie wahrscheinlich keinen Erfolg haben würden. Anders sieht es in einem kommerziellen Rahmen aus (der bekannteste Fall ist Apples Klage gegen die Firma Psystar)…ihr solltet also wirklich kein Geld mit Hackintoshs verdienen wollen.

Woher bekomme ich eine Lizenz für OSX?

Hackintosh? Klingt cool, aber auch irgendwie illegal...
Ohne geht´s nicht: Ihr benötigt in jedem Fall eine Retail-DVD von OSX, damit ihr eine gültige Lizenz für das Apple-OS besitzt. Die einzige Version, die Ihr im Apple-Store noch offiziell kaufen könnt ist 10.6.3 „Snow Leopard“.
Das ist nun wieder relativ einfach: Ihr kauft euch eine Retail-DVD von OSX „Snow Leopard“ (10.6.3) im Apple-Store. Damit erwerbt ihr die Lizenz zur Nutzung von OSX von Apple und „kauft“ damit nach deutschem Recht das Betriebssystem.Und um jetzt mal die Juristerei vom Kopf wieder auf die Füße zu stellen und das Thema abzuschließen: Besorgt euch eine Lizenz für OSX (in dem ihr im Apple-Store die Retail-DVD von Snow Leopard kauft), schraubt keine Hackintosh-Systeme zu kommerziellen Zwecken zusammen und beschränkt die Nutzung auf euer Home Office oder den komplett privaten Bereich. Die Gefahr, dass ihr dann von Apple verklagt werdet ist sehr sehr gering – ebenso wie die Erfolgsaussichten einer solchen Klage vor einem deutschen Gericht.

Hack the Mac? Jein!

Wer tiefer in diese juristischen Fragen eintauchen will, dem empfehlen wir ein entsprechendes Studium oder die Konsultation eines Fachjuristen. Wem aber als Antwort auf die Frage nach der Legalität eines Hackintoshs auch ein „Jein“ reicht, dem erklären wir in der Zwischenzeit schon mal, mit welchen Hardware-Komponenten ihr die besten Chancen auf einen stabilen Hackintosh habt: Wir präsentieren euch den büronerds-Hackintosh!

Abschließend noch eine Erklärung in eigener Sache: Natürlich stellt dieser Artikel kein juristisches Gutachten dar und ersetzt auch nicht die Expertise eines Fachanwalts. Verlasst euch deshalb bitte ggf. vor Gericht nicht auf unsere Expertise und schreibt fleißig Kommentare, wenn ihr es besser wisst 😉
Hackintosh? Klingt cool, aber auch irgendwie illegal...
Kindheit in den 80ern, Jugendzeit in den 90s, Studium Anfang des Jahrtausends. Politikwissenschaftler, Quereinsteiger in´s Online Marketing. Spätberufener Blogger. Für mich ist der 286er kein Longdrink, Milli Vanilli keine Eissorte und der Millennium-Bug kein Science-Fiction-Film. Ich liebe Apps, die die Produktivität im Büro steigern und Arbeitsprozesse vereinfachen. Auf diesem Blog lasse ich euch regelmäßig in meine Toolbox schauen 😉

Was sagst du dazu?